Zum Inhalt springen
Start/Blog/Shopify Free Gift
Conversion & Umsatz

Shopify Free Gift: Gratis-Zugabe im Warenkorb, was ohne App geht und wann Du eine brauchst

Shopify kann eine Zugabe kostenlos machen, legt sie aber nie selbst in den Warenkorb. Was der eingebaute Rabatt leistet, wann eine App nötig ist, was die Zugabe im Deckungsbeitrag kostet und was beim Widerruf gilt.

Alexander Karlvon Alexander Karl16 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2026
Händlerin in einem kleinen Berliner Laden mit Büchern und Karten prüft am Laptop den Warenkorb ihres Shops, daneben liegt ein kleines verpacktes Geschenk
Die Anzeige der Zugabe im Warenkorb ist schnell gebaut. Ob sie von selbst hineinkommt, hängt an einer Grenze, die Shopify setzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Shopify hat keinen Rabatttyp „Gratis-Zugabe“. Der Weg ohne App ist der Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ mit dem Wert „Kostenlos“, als Code oder automatisch, in jedem Tarif.
  • Der Kunde muss die Zugabe selbst in den Warenkorb legen. Die Shopify-Hilfe schreibt ausdrücklich, dass der Artikel nie automatisch hinzugefügt wird.
  • Automatisch hinzufügen und wieder entfernen können Apps wie Kite oder AutoCart, die kleinsten bezahlten Tarife liegen zwischen 5,99 und 29,99 US-Dollar im Monat. Eine eigene Function kann das nicht, weil Cart Transform keine neue Position anlegt.
  • Eine Zugabe kostet Deckungsbeitrag wie ein Rabatt. Rechne vorher mit dem Einkaufspreis aus, ab welcher Schwelle sie sich lohnt.
  • Liegt die Zugabe als Position zu 0,00 Euro im Warenkorb, gehört sie zum Kaufvertrag und geht beim Widerruf zurück. Bei Büchern setzt das Buchpreisbindungsgesetz eine enge Grenze.

Shopify Free Gift ist eine Suche, die fast nur bei App-Anbietern landet. Die ersten Treffer erklären gut, was ihre App kann, und eher selten, was Shopify selbst schon kann und wo die Grenze liegt. Bei einem Fachhändler mit Büchern, Karten, Edelsteinen und Zubehör, den ich gerade von IONOS zu Shopify begleite, kam der Wunsch im September auf den Tisch. Ein bestimmtes Produkt oder eine Produktkombination soll eine kostenlose Zugabe auslösen. Im Projektgespräch war schnell klar, dass die Anzeige im Warenkorb einfach ist und das automatische Hinzufügen eigentlich nicht. Die Zugabe-Logik ist deshalb nicht im ersten Umfang, der Shop geht erstmal ohne sie live.

In diesem Beitrag gehe ich die drei Stufen durch, die es für eine Gratis-Zugabe in Shopify gibt. Der Hinweis im Warenkorb, der eingebaute Rabatt, bei dem der Kunde die Zugabe selbst hineinlegt, und das automatische Hinzufügen über eine App oder eigenen Code. Dazu kommt die Rechnung, was die Zugabe im Deckungsbeitrag kostet, und der rechtliche Teil, der bei diesem Händler wegen der Buchpreisbindung eine eigene Rolle spielt. Ich bin kein Anwalt. Bei der Rechtslage stütze ich mich auf den Händlerbund und die IT-Recht Kanzlei und verlinke die Quellen.

1Was Shopify ohne App kann: der Rabatt „X kaufen, Y erhalten“

Shopify kennt vier Rabatttypen, einen Betrag auf Produkte, einen Betrag auf die Bestellung, kostenlosen Versand und „X kaufen, Y erhalten“. Eine Gratis-Zugabe ist der letzte davon mit dem Wert „Kostenlos“. Du legst ihn unter Rabatte an, wahlweise als Rabattcode oder als automatischen Rabatt, der ohne Eingabe greift. Unter „Was Kund:innen kaufen“ wählst Du eine Mindestanzahl an Artikeln oder einen Mindestkaufbetrag und dazu bestimmte Produkte oder Kollektionen. Unter „Kund:in erhält“ stehen wieder bestimmte Produkte oder Kollektionen und der rabattierte Wert, also Prozentsatz, Betrag pro Artikel oder Kostenlos. Du kannst außerdem begrenzen, wie oft der Rabatt pro Bestellung greift. Der Mindestkaufbetrag zählt laut Shopify-Hilfe nur die Produktpreise, Versand und Steuern bleiben außen vor.

Die wichtigste Grenze steht in derselben Hilfe unter den Hinweisen, wörtlich: „Kund:innen müssen alle Artikel manuell zu ihrem Warenkorb hinzufügen. Der kostenlose oder rabattierte ‚erhalte‘-Artikel wird nie automatisch zum Warenkorb hinzugefügt.“ Der Rabatt setzt also den Preis der Zugabe auf null, sobald sie und die Bedingung im Warenkorb liegen. Hineinlegen muss sie aber der Kunde.

Beim Planen einer Aktion spielen dann noch ein paar Grenzen mit. Ohne Plus sind alle Produkte, die Teil eines solchen Rabatts sind, laut der Seite zu Rabattkombinationen für weitere Produktrabatte gesperrt. Gibt ein Kunde einen Code für eines dieser Produkte ein, wendet Shopify den insgesamt besseren Rabatt an, und die Zugabe fällt dann unter Umständen weg. Mit Bestellrabatten lässt sich die Zugabe dagegen kombinieren, wenn Du das in den Kombinationseinstellungen erlaubst. Höchstens 25 automatische Rabatte dürfen gleichzeitig aktiv sein, App-Rabatte zählen mit. Und sobald der Bestand der Zugabe auf null fällt, zeigt Shopify sie als ausverkauft an, dann kann niemand mehr den Rabatt nutzen.

Merke

Shopify macht die Zugabe kostenlos, aber Shopify legt sie nicht in den Warenkorb. An diesem einen Satz entscheidet sich, welche der folgenden Stufen Du brauchst. Shopify Plus ist für keine davon nötig.

2Stufe 1: Der Hinweis im Warenkorb per Theme-Block

Beim Fachhändler ist das die Stufe, die im Gespräch als einfach galt, und das ist sie auch. Ein Block im Warenkorb prüft in Liquid, ob die Bedingung erfüllt ist, und zeigt den passenden Satz, etwa „Noch 12 Euro bis zu Deiner Zugabe“ oder „Deine Zugabe liegt bereit“. Technisch ist das ein Custom-Liquid-Block oder eine kleine eigene Section, die auf cart.total_price und die Produkte in cart.items schaut. Wer schon einen Fortschrittsbalken für versandkostenfreie Lieferung im Warenkorb hat, kennt das Prinzip, es ist ja dieselbe Logik mit einer anderen Schwelle. Ob so ein Block in Dein gekauftes Theme passt oder eine eigene Section braucht, hängt vom Theme ab, dazu mehr im Beitrag zu eigenem oder gekauftem Theme.

Der Block zeigt eben etwas an, mehr nicht. Die Zugabe kommt entweder über Stufe 2 in den Warenkorb, oder Du legst sie beim Packen bei. Das Beilegen klingt erstmal bequem, hat aber Folgen, die man leicht übersieht. Die Zugabe steht dann auf keiner Rechnung und keinem Lieferschein, der Bestand wird nicht ausgebucht, und die Person am Packtisch muss bei jeder Bestellung daran denken. Rechtlich ist eine beigelegte Zugabe ohne Auswahl des Kunden eine Schenkung, dazu komme ich in Abschnitt 6.

3Stufe 2: Der Kunde legt die Zugabe selbst in den Warenkorb

Diese Stufe kombiniert den Rabatt aus Abschnitt 1 mit dem Block aus Abschnitt 2 und einem Button. Sobald die Bedingung erfüllt ist, zeigt der Warenkorb die Zugabe als kleine Produktkarte mit „In den Warenkorb legen“. Der Button ist ein normales Produktformular oder ein Link auf /cart/add?id=VARIANTEN-ID. Legt der Kunde die Zugabe hinein, greift der automatische Rabatt und der Preis steht auf 0,00 Euro, im Warenkorb wie im Checkout. Weil die Zugabe damit eine Position der Bestellung ist, wird sie vom Bestand abgebucht und steht auf Rechnung und Packliste.

Legt ein Kunde die Zugabe hinein, ohne die Bedingung zu erfüllen, zahlt er den vollen Preis, denn für Shopify ist die Zugabe ja ein normales Produkt mit einem normalen Preis. Soll sie nicht einzeln kaufbar sein, versteckst Du sie eigentlich nur aus Suche und Kollektionen und erreichst sie nur über den Button. Entfernt der Kunde das Hauptprodukt wieder, bleibt die Zugabe im Warenkorb, jetzt zum vollen Preis, denn Shopify räumt sie nicht weg. Der Block aus Stufe 1 kann dann einen Hinweis zeigen, mehr geht ohne Code oder App eben nicht.

Für den Fachhändler wäre das wohl der Stand, mit dem eine erste Aktion laufen könnte, wenn sie nach dem Go-Live wieder auf den Tisch kommt. Der Kunde wählt die Zugabe bewusst, der Händler braucht keine App, und die Logik lässt sich im Admin ändern, ohne dass jemand ins Theme muss.

Illustration: Ein Geschenk mit Schleife fällt in einen Einkaufswagen, in dem zwei Bücher stehen
Der Rabatt macht die Zugabe kostenlos. Ob sie von selbst in den Wagen fällt oder der Kunde sie hineinlegt, ist die Frage nach Stufe 2 oder Stufe 3.

Zugabe-Aktion vor Black Friday einrichten?

Im laufenden Support richte ich Rabatt, Warenkorb-Hinweis und Button in Deinem Theme ein und rechne vorher mit Dir durch, ab welcher Schwelle sich die Zugabe lohnt. 30 Minuten, ohne Folie.

Erstgespräch vereinbaren

4Stufe 3: Automatisch hinzufügen mit App oder eigenem Code

Soll die Zugabe ohne Klick des Kunden im Warenkorb liegen und bei Unterschreiten der Bedingung wieder verschwinden, brauchst Du eine App oder eigenen Code im Theme. Die Apps lösen das über ein Skript im Theme oder, wie Kite, über Shopify Functions als öffentliche App, die in jedem Tarif läuft. Die Übersicht zeigt vier Apps von vielen, ausgewählt nach Bewertungen und danach, ob der Eintrag das Entfernen der Zugabe überhaupt erwähnt. Die Angaben stammen aus dem Shopify App Store mit Stand vom 16.10.2026, alle Preise in US-Dollar pro Monat.

AppKleinster TarifHinzufügen und EntfernenZu beachten
Kite (Skai Lama), 4,9 bei 1.293 BewertungenKostenlos bis 50 Rabatt-Bestellungen im Monat, darüber 29 US-Dollar; weitere Tarife 49 und 99 US-DollarBeides, laut Eintrag „auto add and remove gifts at cart value thresholds“Baut auf Shopify Functions; Free und Starter nicht für Advanced- und Plus-Shops
AutoCart (Nextools), 4,9 bei 25 Bewertungen5,99 US-Dollar; weitere Tarife 8,99 und 12,99 US-DollarBeides, entfernt die Zugabe, wenn sich die Bestellung ändertJunge App mit wenigen Bewertungen, kostenloser Tarif nur für Entwicklungsshops
Gift Box (Digismoothie), 4,9 bei 228 Bewertungen29,99 US-Dollar bis 100 Bestellungen im Monat; 49,99 bis 500, 79,99 bis 1.000Hinzufügen optional, Entfernen im Eintrag nicht angegebenTarife nach Bestellungen im Shop insgesamt, nicht nach Rabatt-Bestellungen
BOGOS, 5,0 bei 4.486 BewertungenKostenlos für 30 Bestellungen insgesamt; dann 29,99 US-Dollar (nur Basic-Shops), 49,99 und 109,99 US-DollarHinzufügen oder Auswahl per Popup, Entfernen im Eintrag nicht angegebenTarif richtet sich nach Deinem Shopify-Tarif; Bundles und Mengenrabatte gleich mit drin

Kleinster bezahlter Tarif in US-Dollar pro Monat, Stand 16.10.2026

  1. Kite29 US-Dollar, davor kostenlos bis 50 Rabatt-Bestellungen im Monat
  2. AutoCart5,99 US-Dollar
  3. Gift Box29,99 US-Dollar, bis 100 Bestellungen im Monat
  4. BOGOS29,99 US-Dollar, davor kostenlos für 30 Bestellungen insgesamt, nur Basic-Shops
Die kleinsten bezahlten Tarife liegen zwischen 5,99 und 29,99 US-Dollar im Monat. Angaben aus dem Shopify App Store mit Stand vom 16.10.2026, fast alle Tarife hängen an der Zahl der Bestellungen.

Welche App passt, hängt vor allem von der Zahl Deiner Bestellungen ab, weil fast alle Tarife daran hängen, und davon, ob Du neben der Zugabe auch noch Bundles oder Staffelpreise brauchst. Was Apps insgesamt im Monat kosten, steht im Beitrag zu den Shopify-Kosten 2026.

Der zweite Weg ist eigener Code im Theme. Ein kleines Skript beobachtet dabei den Warenkorb, ruft bei erfüllter Bedingung /cart/add.js auf und bei Unterschreiten /cart/change.js mit Menge null. Den Preis auf null setzt weiterhin der Rabatt aus Abschnitt 1, das Skript übernimmt nur das Hinzufügen und Entfernen. Der App-Anbieter Fudge zeigt in seiner Anleitung so ein Skript für Dawn. Ich würde es nur bauen, wenn jemand da ist, der es nach dem nächsten Theme-Update wieder prüft, denn das Skript hängt an den Warenkorb-Events des Themes. Wie Anpassungen ein Update überleben, steht im Beitrag zum Theme-Update ohne Verlust.

Eine eigene Function fällt dagegen aus, und das hat eigentlich nichts mit Können zu tun. Die Cart Transform Function API kennt laut shopify.dev die Operationen lineExpand, linesMerge und lineUpdate, eine Operation, die eine neue Position in den Warenkorb legt, gibt es nicht. Ein Entwickler hat das im September 2026 im Entwicklerforum als Feature-Request eingereicht, Shopify hat ihn aufgenommen, ohne Zeitplan. Dazu kommt, dass eigene Custom Apps mit Functions laut Shopify nur in Shopify Plus laufen, öffentliche Apps aus dem App Store dagegen in jedem Tarif. Deshalb kann Kite auf Functions bauen und Du als Händler ohne Plus nicht.

Dann gibt es ja noch Shopify Flow. Digismoothie beschreibt in seinem Blog einen Flow, der die Zugabe erst nach dem Kauf zur Bestellung hinzufügt. Der Kunde sieht sie also im Warenkorb und im Checkout gar nicht, für eine Aktion, die zum Kauf anregen soll, taugt das eher nicht.

5Was die Zugabe im Deckungsbeitrag kostet

Eine Zugabe fühlt sich für den Kunden wie ein Geschenk an und kostet Dich wie ein Rabatt, nur dass Du den Einkaufspreis zahlst statt den Verkaufspreis herzugeben. Deshalb ist eine Zugabe oft günstiger als ein Prozentrabatt mit demselben wahrgenommenen Wert. Eine Rechnung braucht sie trotzdem, am besten vor der Aktion, und zwar mit dem Einkaufspreis plus Verpackung und Mehrgewicht im Paket. Hier ein Beispiel mit erfundenen, runden Zahlen.

Angenommen, Deine Schwelle liegt bei 60 Euro, Deine Marge bei 40 %, und die Zugabe kostet Dich im Einkauf 4 Euro. Eine Bestellung über 65 Euro bringt 26 Euro Deckungsbeitrag, nach Abzug der Zugabe bleiben 22 Euro. Hat die Zugabe diese Bestellung von 48 auf 65 Euro gehoben, standen vorher 19,20 Euro Deckungsbeitrag da, Du hast also 2,80 Euro gewonnen. Hätte der Kunde ohnehin 65 Euro bestellt, hast Du eben 4 Euro verschenkt. Die Aktion lohnt sich erst, wenn genug Bestellungen wegen der Zugabe über die Schwelle gehen, um die Zugaben für alle anderen zu bezahlen. Im Beispiel müssen rund 59 % der Bestellungen über der Schwelle durch die Zugabe dorthin gekommen sein, sonst zahlst Du drauf. Die Quote fällt anders aus, wenn Deine Kunden von weiter unten springen oder die Zugabe weniger kostet, die Rechnung bleibt aber dieselbe.

Diese Quote kennst Du vorher natürlich nicht, Du kannst sie aber messen. Vergleich die Verteilung der Bestellwerte vor und während der Aktion, oder teste die Aktion mit Shopify Rollouts gegen eine Version ohne Zugabe, wie im Beitrag zu den eigenen A/B-Tests von Shopify beschrieben. Und stell die Zugabe mal neben die anderen Hebel für den Bestellwert. Eine Versandkostenschwelle setzt am selben Punkt an und kostet Dich nur den Versand, den Du sonst dem Kunden berechnet hättest. Die ganze Rechnung dazu steht im Beitrag zum Shopify AOV erhöhen.

6Was rechtlich gilt: Erkennbarkeit, Buchpreisbindung, Widerruf

Die eine Vorschrift, die Zugaben ausdrücklich nennt, ist eigentlich § 6 Abs. 1 Nr. 3 DDG. Danach müssen Angebote zur Verkaufsförderung wie Preisnachlässe, Zugaben und Geschenke klar als solche erkennbar sein, und die Bedingungen für ihre Inanspruchnahme müssen leicht zugänglich sowie klar und unzweideutig angegeben werden. Der Händlerbund leitet daraus ab, dass die Aktionsbedingungen im Shop leicht auffindbar sein müssen, etwa über eine dauerhaft verlinkte Aktionsseite. Einen Wert musst Du nicht nennen, Du darfst aber nicht über ihn täuschen, und „gratis“ muss dann auch gratis sein, Versandkosten eingeschlossen oder vorher genannt. Der Wert der Zugabe sollte den der Hauptware nicht übersteigen.

Beim Fachhändler aus dem Projekt kommt die Buchpreisbindung dazu. § 7 Abs. 4 Nr. 1 BuchPrG erlaubt beim Verkauf eines Buches nur Zugaben von geringem Wert oder solche, die im Verhältnis zum Buchpreis wirtschaftlich nicht ins Gewicht fallen. Die IT-Recht Kanzlei nennt als Grenze 2 % des Buchpreises und als Beispiele Kugelschreiber oder Bonbons, maßgeblich ist der Wert aus Sicht des Kunden, nicht Dein Einkaufspreis. Das LG Berlin hat 2019 ein Paket aus zehn preisgebundenen Büchern mit einem E-Reader als Zugabe untersagt. Für eine Aktion bleiben damit eigentlich zwei Wege, entweder lösen nur nicht preisgebundene Produkte die Zugabe aus, oder die Zugabe bleibt bei Büchern so klein, dass sie unter dieser Grenze liegt. Das klärst Du am besten schon vor der Aktion mit Deinem Anwalt.

Der dritte Punkt ist der Widerruf, und hier merkst Du dann, dass die Wahl der Stufe auch rechtlich etwas ändert. Liegt die Zugabe als Position zu 0,00 Euro im Warenkorb, ist sie laut IT-Recht Kanzlei und Händlerbund Teil des Kaufvertrags. Widerruft der Kunde die ganze Bestellung, muss er die Zugabe also zurückgeben. Legst Du die Zugabe dagegen ohne Auswahl des Kunden ins Paket, ist sie eine Schenkung, und der Kunde darf sie behalten, wenn nichts anderes vereinbart ist. Einen Teil-Widerruf, bei dem der Kunde nur die Hauptware zurückschickt und so unter die Schwelle rutscht, sieht das Gesetz nicht vor. Ob Du ihn akzeptierst und was dann mit der Zugabe passiert, gehört in die Aktionsbedingungen, in die AGB und in die Widerrufsbelehrung. Beide Quellen raten dazu, das vor der Aktion zu regeln.

7Welche Stufe zu Deinem Shop passt

Prüf erstmal, ob Stufe 2 reicht, also der eingebaute Rabatt mit Hinweis und Button. Sie kostet keine Gebühr, lässt sich im Admin an- und abschalten, und weil die Zugabe ja eine echte Position ist, stimmen Bestand und Rechnung und der Widerruf ist geregelt. Für eine Aktion mit wenigen Produkten, bei der der Kunde die Zugabe ruhig selbst auswählen darf, ist das in meinen Augen der richtige Start.

Wenn das nicht reicht, weil die Zugabe ohne Zutun des Kunden erscheinen und bei Unterschreiten wieder verschwinden soll, nimm eine App. Rechne dafür mal die Bestellungen im Monat gegen die Tarife aus der Tabelle, und schau, ob die App noch andere Rabatte übernimmt, die Du bisher anders löst. Eigener Code im Theme lohnt sich, wenn ohnehin jemand das Theme pflegt und die App-Gebühr über die Jahre mehr kostet als der Einbau. Und wenn Du noch gar nicht weißt, ob eine Zugabe der richtige Hebel ist, rechne sie erstmal neben Versandkostenschwelle und Bundle durch, bevor Du etwas baust. Beim Fachhändler steht diese Entscheidung noch aus, und das ist auch in Ordnung, weil erst die echten Bestellwerte nach dem Go-Live zeigen, ob sich eine Schwelle überhaupt lohnt.

Welche Stufe passt, Stand Oktober 2026

Wie soll die Zugabe in den Warenkorb kommen?

  1. Passt, wenn der Kunde die Zugabe bei einer Aktion mit wenigen Produkten ruhig selbst auswählen darf

    Stufe 2: Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ mit Hinweis und Button im Warenkorb

    Grenze: Entfernt der Kunde das Hauptprodukt, bleibt die Zugabe zum vollen Preis im Warenkorb

  2. Passt, wenn die Zugabe ohne Zutun des Kunden erscheinen und bei Unterschreiten wieder verschwinden soll

    Stufe 3: App wie Kite oder AutoCart

    Grenze: Fast alle Tarife hängen an der Zahl Deiner Bestellungen im Monat

  3. Passt, wenn ohnehin jemand das Theme pflegt und die App-Gebühr über die Jahre mehr kostet als der Einbau

    Stufe 3: Eigenes Skript im Theme

    Grenze: Das Skript hängt an den Warenkorb-Events des Themes und muss nach jedem Theme-Update geprüft werden

Prüf erst, ob Stufe 2 reicht, sie kostet keine Gebühr und lässt sich im Admin an- und abschalten. Beim Fachhändler aus dem Projekt steht die Entscheidung noch aus, weil erst die echten Bestellwerte nach dem Go-Live zeigen, ob sich eine Schwelle lohnt.
  • Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ mit dem Wert Kostenlos als automatischen Rabatt angelegt und mit einer Testbestellung geprüft
  • Hinweis im Warenkorb zeigt Schwelle und Zugabe, ein Button legt die Zugabe hinein
  • Zugabe aus Suche und Kollektionen versteckt, falls sie nicht einzeln kaufbar sein soll
  • Bestand der Zugabe für die ganze Aktion eingeplant
  • Aktionsbedingungen auf einer verlinkten Seite, Widerruf und Buchpreisbindung mit dem Anwalt geklärt
  • Rechnung mit Einkaufspreis und Schwelle gemacht, Bestellwerte vor und während der Aktion verglichen

Zugabe, Schwelle oder Bundle?

Im Erstgespräch schauen wir auf Deine Bestellwerte und rechnen durch, welcher Hebel sich für Deinen Shop lohnt und was davon ohne App geht. Direkt, ohne Agentur-Umweg.

Erstgespräch vereinbaren

Fazit

Shopify Free Gift geht ohne App, solange der Kunde die Zugabe selbst in den Warenkorb legt. Der Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ mit dem Wert Kostenlos läuft in jedem Tarif, ein Block im Warenkorb zeigt Schwelle und Zugabe, und die Zugabe steht als echte Position auf der Bestellung. Erst wenn die Zugabe von selbst erscheinen und verschwinden soll, brauchst Du eine App oder eigenen Code, eine eigene Function kann das nicht. Vor jeder Aktion stehen die Rechnung mit dem Einkaufspreis, der Bestand der Zugabe und die Aktionsbedingungen mit Widerruf und, bei Büchern, Buchpreisbindung.

Der erste Schritt: Leg in Deinem Shop den Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ mit dem Wert Kostenlos als automatischen Rabatt an und mach zwei Testbestellungen, eine mit und eine ohne Zugabe im Warenkorb. Dann siehst Du an Deinem eigenen Checkout, ob Stufe 2 für Deine Aktion reicht.

Häufige Fragen

Legt Shopify die Gratis-Zugabe automatisch in den Warenkorb?

Nein. Beim Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ muss der Kunde die Zugabe selbst in den Warenkorb legen, die Shopify-Hilfe schreibt ausdrücklich, dass der Artikel nie automatisch hinzugefügt wird. Automatisch geht es nur mit einer App wie Kite oder AutoCart oder mit eigenem Code im Theme.

Brauche ich Shopify Plus für eine Gratis-Zugabe?

Nein. Der Rabatt „X kaufen, Y erhalten“ mit dem Wert Kostenlos läuft in jedem Shopify-Tarif, ebenso die Apps aus dem App Store. Plus brauchst Du nur, wenn Du eine eigene Custom App mit Shopify Functions bauen willst, und selbst dann kann Cart Transform keine Position in den Warenkorb legen.

Was passiert, wenn der Kunde den Warenkorb wieder unter die Schwelle bringt?

Beim eingebauten Rabatt bleibt die Zugabe im Warenkorb und kostet dann den vollen Preis, Shopify entfernt sie nicht. Ein Hinweis im Warenkorb kann den Kunden warnen. Soll die Zugabe von selbst verschwinden, brauchst Du eine App, die das ausdrücklich kann, etwa Kite oder AutoCart, oder ein eigenes Skript im Theme.

Was passiert, wenn die Zugabe ausverkauft ist?

Sobald der Bestand der Zugabe auf null fällt, zeigt Shopify sie als ausverkauft an und niemand kann den Rabatt mehr nutzen. Plane deshalb den Bestand der Zugabe für die ganze Aktion und leg eine zweite Zugabe als Ersatz an, wenn die Aktion länger läuft.

Darf ich beim Verkauf von Büchern eine Zugabe geben?

Nur in engen Grenzen. § 7 Abs. 4 Nr. 1 BuchPrG erlaubt beim Verkauf preisgebundener Bücher nur Zugaben von geringem Wert, die IT-Recht Kanzlei nennt 2 % des Buchpreises als Grenze. Eine Aktion, bei der nur nicht preisgebundene Produkte die Zugabe auslösen, umgeht das Problem. Kläre das vor der Aktion mit Deinem Anwalt.

Muss der Kunde die Zugabe beim Widerruf zurückschicken?

Liegt die Zugabe als Position zu 0,00 Euro in der Bestellung, ist sie Teil des Kaufvertrags und geht beim vollständigen Widerruf zurück. Eine ohne Auswahl ins Paket gelegte Zugabe ist eine Schenkung und bleibt beim Kunden, wenn nichts anderes vereinbart ist. Regel das in den Aktionsbedingungen, den AGB und der Widerrufsbelehrung.